Rudolf Lörinc
Mit sechs Jahren stand ich am Tag der offenen Tür in der Musikschule vor dem Trompetenlehrer und musste mir anhören, dass ich ohne meine kürzlich ausgefallenen Schneidezähne leider keine Trompete lernen könne und es doch einmal mit der Blockflöte versuchen solle. In diesem Moment wollte ich natürlich umso mehr Trompete spielen und durfte dann wenige Wochen später – mit meinen neuen Schneidezähnen – die inzwischen völlig zerkaute Blockflöte endlich gegen eine Trompete eintauschen.
Ich hatte das Glück, in Hamburg bei Prof. Matthias Höfs in einer der stärksten Trompetenklassen studieren zu dürfen. Anschließend ging ich meiner großen Leidenschaft der „Alten Musik“ nach und ergänzte in Bremen ein Masterstudium im Fach Naturtrompete bei Susan Williams.
Nachdem ich die große Ehre hatte, bei internationalen Auswahlorchestern wie dem Gustav Mahler Jugendorchester oder dem Festivalorchester des Schleswig-Holstein Musikfestivals mitzuwirken, erhielt ich meine erste feste Anstellung in einem professionellen Orchester als Solotrompeter an der Staatskapelle Schwerin. Dort konnte ich umfangreiche Erfahrungen sammeln, insbesondere im Opernrepertoire.
Seit 2013 bin ich als 2. Trompeter bei den Bremer Philharmonikern tätig und bin froh, gemeinsam mit meiner Frau in den 1. Geigen Teil dieses traditionsreichen Orchesters zu sein.
Sein Ausgleich
Wenn ich nicht gerade musiziere, verbringe ich meine Zeit am liebsten mit dem Kochen. Kochen hat viele Parallelen zum professionellen Musizieren: Man muss viel Erfahrung haben, schnell reagieren können, kreativ sein, auch Risiken eingehen und dabei ruhig bleiben, damit etwas ganz Besonderes entstehen kann. Das jeweilige Resultat kann Menschen nachhaltig auf vielfältigste Weise berühren – und es macht mir große Freude, zu diesen Emotionen beizutragen.
Ungewöhnlichster Auftrittsort
Mein bisher ungewöhnlichster Auftrittsort war eine riesige Produktionshalle eines internationalen Stahlkonzerns in Linz. Wenige Stunden vor dem Konzert sind noch Güterzüge in die Halle ein- und ausgefahren, während tonnenschwere Stahlelemente bei Temperaturen von über 1000 Grad bearbeitet wurden. Den Geruch nach Feuer, die industrielle Atmosphäre und die surreale Größe dieser Halle werde ich sicher niemals vergessen!
Welches Tier bei den Bremer Stadtmusikanten?
Bei den Bremer Stadtmusikanten wäre ich ganz klar der Esel. Keines der anderen Tiere hat einen so durchdringenden Klang wie der Esel – das erinnert mich sehr an eine Trompete, die bei Bedarf ein ganzes Sinfonieorchester in Grund und Boden spielen kann.
Drei Worte zur Arbeit
Wenn ich drei Wörter hätte, um meine Arbeit zu beschreiben, wären das: wirklich sehr anspruchsvoll!